„Der schlechte Ruf der ‚Leiharbeit‘ erodiert im Gesundheitswesen.“

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schröders_sicht
  • Bessere Arbeitsbedingungen machen Zeitarbeit für viele Pflegekräfte zunehmend attraktiver als eine Festanstellung
  • Zahl der Zeitarbeitskräfte in der Gesundheitsbranche wächst rapide – davon profitieren Patienten, Pflegekräfte und Pflegeeinrichtungen
  • Aktueller Trend widerlegt den schlechten Ruf, den die Zeitarbeit nach wie vor innehat

In den Medien wird in letzter Zeit regelmäßig über den deutschlandweiten Pflegenotstand berichtet. An diese Berichterstattung haben sich die meisten Bürgerinnen und Bürger mittlerweile gewöhnt. Allerdings gibt es da einen gravierenden Haken – die „Leiharbeit“. Vor knapp einem Jahr berichtete erstmals der NDR: „Überlastung treibt Krankenpflegekräfte in die Leiharbeit“. Nach wie vor hat die Zeitarbeit den Ruf, unsichere Arbeitsplätze mit noch dazu schlechter Bezahlung zu vermitteln.

Die immer größer werdende Zahl an Kranken- und Altenpflegern, die von einer „sicheren“ Festanstellung in die Zeitarbeit wechseln, widerlegt dies jedoch klar und deutlich. Denn warum wagen viele Pflegekräfte diesen Schritt? Weil die Arbeitsbedingungen dort weitaus besser sind, weil die Zeitarbeitnehmer ihre Dienstpläne zu einem großen Teil mitbestimmen können, während festangestellte Pflegekräfte häufig sehr viele Überstunden und teilweise sogar Doppelschichten leisten müssen. Auch die Bezahlung ist, entgegen aller Vorurteile, zumindest auf den zweiten Blick, eben doch nicht schlechter.

Edgar Schröder über Zeitarbeitnehmer in der Pflege:
Warum wagen viele Pflegekräfte den Schritt in die Zeitarbeit? Weil die Arbeitsbedingungen dort weitaus besser sind, weil sie ihre Dienstpläne zu einem großen Teil mitbestimmen können, während festangestellte Pflegekräfte häufig sehr viele Überstunden und teilweise sogar Doppelschichten leisten müssen.

Attraktiver Arbeitgeber Zeitarbeit
Nehmen wir beispielsweise den konkreten Fall eines Krankenpflegers, der seine unbefristete Festanstellung aufgegeben hatte. Wie dem oben verlinkten Artikel zu entnehmen ist, muss er als Zeitarbeitnehmer keine Nachtdienste mehr machen, arbeitet nur noch einmal im Monat am Wochenende und bekommt dafür in etwa das gleiche Gehalt wie zuvor als Festangestellter.

Oder nehmen Sie den Bericht einer Krankenschwester, die von den guten Erfahrungen als Zeitarbeitnehmerin erzählt. Weniger Druck, geringere Arbeitsbelastung, kein kurzfristiges Einspringen mehr. Und auch ein examinierter Altenpfleger aus Dresden kann nur Positives berichten, seit er von einer langjährigen Festanstellung in die Zeitarbeit gewechselt ist. Sein Arbeitsleben änderte sich von „unfreundlichen Vorgesetzten, viel Stress und ständigem Zeitdruck am Patienten“ zu mehr Freizeit, Wunschdienstplänen und einem guten Gefühl bei seinem neuen Arbeitgeber.

Kritik bleibt nicht aus
Kritik an diesem Trend kommt aus Reihen der Gewerkschaften und Pflegeberufsverbände. Ständig wechselndes Personal sei für einige Patienten problematisch. Häufig wird auch eine schlechtere Qualifizierung der eingesetzten Zeitarbeitnehmer bemängelt. Das ist nachvollziehbar, kann aber nicht der Zeitarbeit angekreidet werden. Vielmehr zeigt es,  wie dringend in der Gesundheitsbranche gehandelt werden muss, um die Arbeitsbedingungen für die Fachkräfte zu verbessern.

Fazit

Der aktuelle Trend bei Pflegekräften weg von der Festanstellung hin zur Zeitarbeit widerlegt den schlechten Ruf, den die Zeitarbeit nach wie vor innehat. Die besseren Arbeitsbedingungen, die Pflegekräfte in der Zeitarbeit genießen, sind nur ein Beispiel dafür. Ich persönlich bin daher mit dem Statement des iGZ-Bundesvorsitzenden Christian Baumann absolut im Einklang, der richtigerweise sagt: „Wir müssen klar darstellen, dass unsere Mitarbeiter aus eigenem Antrieb bei uns arbeiten. Zeitarbeit ist ein attraktives Arbeitsverhältnis.


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Edgar Schröder

Edgar Schröder ist Geschäftsführer der ES Edgar Schröder Unternehmensberatungsgesellschaft für Zeitarbeit mbH und ein Mann der Praxis. Seit er sein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt an der Fachhochschule der heutigen Bundesagentur für Arbeit im Jahr 1986 abgeschlossen hat, beschäftigt er sich in unterschiedlichen Funktionen und Führungspositionen mit dem Thema „Arbeitnehmerüberlassung".

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3 Kommentare
  • Erdem Aksin
    Erdem Aksin
    at 06.08.2018
    Hallo lieber Herr Edgar Schröder,
    Ich heiße Erdem Aksin und ist gehörlos, ich bin als examinierter Altenpfleger, seit 2015 arbeite ich die Zeitarbeit bei akut Medizin in Mannheim. Diese Zeitarbeit mache ich mir viel Spaß als festgestellt. Es gib verschiedene Einsatzort und viele Erfahrung über Medizinbereich sammeln. Ich habe sehr oft Überstunde,Pflegenotstand, doppelschicht und am meisten in ab 7 Tage durcharbeiten.
    Diese Beruf Altenpfleger mach mir viel Spaß und große Herz für alter Leute. ABER wenig Lohn bekommen und hart Job..hmmm...

    Mit freundlichen Grüßen

    Erdem Aksin
    • Jochen Garbers
      Jochen Garbers
      at 06.08.2018
      Lieber Herr Aksin,

      Sie gehören zu einem ganz besonderen Club: Sie machen Ihre Arbeit gerne, obwohl sie hart ist. Ich muss daher sofort denken: "Herr Aksin ist bestimmt ein toller Altenpfleger".

      Mein Rat zum Thema Lohn geht so:
      Schreiben Sie doch einmal alle Dinge auf, die sich bei Ihnen als Altenpfleger seit 2015 getan haben:
      * Sie haben viele Kenntnisse / Fertigkeiten erlangt (alle nennen!)
      * Sie haben gezeigt, dass Sie als Gehörloser gute Arbeit leisten können
      * Sie sind für viele Bewohner des Altenheims und Kollegen wichtig geworden
      * und so weiter: alles was sich seitdem geändert hat!

      Mit dieser Liste gehen Sie dann zu Ihrer Zeitarbeitsfirma und fragen die Kollegen, ob ihre Lohnerhöhungen seit 2015 und die Länge/Bedeutung der Liste zusammenpassen? Ich vermute einmal: eher nicht. Das wäre dann ein guter Ausgangspunkt für ein Gespräch, was mittlerweile als faire Bezahlung anzusehen wäre. Eine gute Zeitarbeitsfirma ist sogar dankbar für so eine Liste, denn vielleicht machen die ja genau den gleichen Fehler wie Sie und verlangen einfach zu wenig von der anderen Seite?

      Und falls sich Ihr Arbeitgeber gar nicht bewegen mag: dann würde ich mich um eine "zweite Meinung" bemühen. Im Klartext: bei einer anderen Zeitarbeitsfirma vorsprechen. Sie sehen auf jeden Fall klarer und erhalten wahrscheinlich weitere Argumente für das nächste Lohngespräch.

      Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!
  • Jochen Garbers
    Jochen Garbers
    at 06.08.2018
    Der Artikel spricht mir aus der Seele. Beim langen Weg zum besseren Image der Zeitarbeit ist es eine wichtige Teiletappe, dass Zeitarbeit eben VIELE Gesichter hat. Es wäre ja schon viel gewonnen, wenn man endlich Pauschalurteile der Marke "Leiharbeit gehört abgeschafft" hinter sich lassen könnte.

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