Die dunkle Seite der Öffentlich-Rechtlichen

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  • Manuela Schwarz, equal personal-Geschäftsführerin und iGZ-Vorstandsmitglied, war Teil der ZDFzoom Doku „Die dunkle Seite der Zeitarbeit“ und hielt darin die Fahne für die Branche hoch
  • Im Interview mit dem arbeitsblog erzählt sie, wie der Kontakt zur Redaktion zustande kam, die Dreharbeiten abliefen und das Feedback ihrer Branchenkollegen ausfiel
  • Obwohl die Zeitarbeit in der Doku pauschalisierend negativ dargestellt wurde, würde Manuela Schwarz jederzeit wieder mitmachen: „Es ist wichtig, dass sich seriöse Zeitarbeitsfirmen in die Öffentlichkeit wagen und laut sagen: „Schaut her, ich bin ein guter Arbeitgeber – und von meiner Sorte gibt es noch viele weitere!“

Sie wurde erst mit Spannung erwartet und sorgte dann in weiten Teilen der Branche für Ernüchterung: die ZDFzoom Dokumentation „Die dunkle Seite der Zeitarbeit“. Statt ausgewogener Berichterstattung erfolgte eine pauschalisierend negative Darstellung der Personaldienstleistung. Einer der wenigen Lichtblicke war der Auftritt von equal personal-Geschäftsführerin und iGZ-Vorstandsmitglied Manuela Schwarz. Im Interview mit dem arbeitsblog spricht sie über die Dreharbeiten, nicht eingehaltene Absprachen, Feedback aus der Branche und vieles mehr.

Frau Schwarz, wie kam der Kontakt zwischen Ihnen und dem ZDF zustande?
ZDFzoom suchte im Oktober letzten Jahres via Facebook nach „von Zeitarbeit Betroffenen“. Auf diesen Post wurde ich aufmerksam, habe der Redaktion eine E-Mail geschrieben und mich beziehungsweise den iGZ als Quelle angeboten. Unser Ziel war es, dass in der Dokumentation auch auf die vielen Zeitarbeitsunternehmen eingegangen wird, die gute Arbeit leisten – für genau die wollte ich stehen.

Wie hat die Redaktion auf Ihren Vorschlag reagiert?
Positiv! Sie waren einverstanden und fragten direkt, ob sie in meinem Unternehmen drehen und meine Mitarbeiter interviewen dürfen. Gemeinsam mit den iGZ-Kollegen habe ich dann beschlossen, das zu machen. Allerdings nur unter der Bedingung, nicht als das einzige weiße Schaf unter vielen schwarzen dargestellt zu werden. Das wurde mir vom ZDF so zugesichert.

Würden Sie im Nachhinein sagen, dass diese Absprache eingehalten wurde?
Nein, wurde sie nicht. Mir war natürlich schon im Vorfeld bewusst, dass der Anteil an Inhalten, die für die Zeitarbeit positiv sind, eher gering sein wird. Dass ein öffentlich-rechtlicher Sender aber eine so reißerische, unausgewogene Dokumentation bringt, die nur darauf aus ist, Quote zu machen, damit habe ich nicht gerechnet.

Was hat Sie an der Dokumentation am meisten enttäuscht?
Dass der Fokus fast nur auf den wenigen dubiosen Zeitarbeitsfirmen lag. Bitte nicht falsch verstehen: Ja, es gibt diese schwarzen Schafe und es ist vollkommen in Ordnung, sie in der Doku zu thematisieren. Und jedem guten Zeitarbeitsunternehmer ist dran gelegen, dass die unseriösen Firmen, die den Ruf unserer Branche kaputtmachen, vom Markt verschwinden. Trotzdem wäre es natürlich schön gewesen, wenn auch die positiven Aspekte der Zeitarbeit die Zuschauer erreicht hätten. Dass Zeitarbeit für viele Menschen die einzige Chance auf Einstieg in Arbeit ist, dass wir Jobmotor sind, Flüchtlinge integrieren, uns um Menschen kümmern, die Hilfe bei der Bewältigung und Stabilisierung ihres Arbeitslebens benötigen, dass ganz viele Menschen bewusst und freiwillig bei uns arbeiten. Das alles kam bei den Interviews zur Sprache, wurde aber leider nicht gezeigt.

Hat sich diese Entwicklung am Drehtag bereits angedeutet?
Ja, es wurde schnell deutlich, worauf das Redaktionsteam hinauswill. Wann immer ich auf die positiven Aspekte der Zeitarbeit zu sprechen kam, hat der Redakteur das schnell abgewürgt. Stattdessen wurde viel zu den Kontrollen gefragt – wie sie konkret stattfinden, wie oft geprüft wird und so weiter. Ins Bild passt auch, dass ich insgesamt vier Mitarbeiter präsentiert habe, die ihre – positiven – Erfahrungen mit der Zeitarbeit gerne vor der Kamera erzählt hätten. Hier kam dann die Ansage, dass einer reicht. Und von ihm wurde letztlich ein einziger Satz ausgestrahlt.

Manuela Schwarz hält gezielte Öffentlichkeitsarbeit für unverzichtbar:
Umso wichtiger ist es, dass sich seriöse Zeitarbeitsfirmen in die Öffentlichkeit wagen und laut sagen: „Schaut her, ich bin ein guter Arbeitgeber – und von meiner Sorte gibt es noch viele weitere!“

Wie fiel das Feedback aus der Branche zu Ihrem Auftritt aus?
Gemischt. Über Social Media haben mich viele Menschen, die ich vorher nicht kannte, für meinen Mut und die Forderung nach höheren Einstiegshürden in unsere Branche gelobt. Teilweise wurde Bedauern geäußert, dass mich die Redaktion als Feigenblatt benutzt hat. Beim iGZ gingen vereinzelte Beschwerden darüber ein, dass ich öffentlich ‚zugegeben‘ habe, dass es in unserer Branche schwarze Schafe gibt. Der Rückendeckung des Verbands, insbesondere durch Werner Stolz, konnte ich mir an dieser Stelle aber sicher sein.

Hand aufs Herz: Würden Sie es wieder tun?
Auf jeden Fall! Wir als Branche müssen stetig an unserem Image arbeiten und haben hier noch einen weiten Weg vor uns. Umso wichtiger ist es, dass sich seriöse Zeitarbeitsfirmen in die Öffentlichkeit wagen und laut sagen: „Schaut her, ich bin ein guter Arbeitgeber – und von meiner Sorte gibt es noch viele weitere!“ Beim nächsten Mal würde ich im Vorfeld aber stärker darauf pochen, dass die Dinge, die mir wichtig sind, im Bericht in den Vordergrund rücken. Ob das dann tatsächlich passiert, steht natürlich auf einem anderen Blatt.


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Studierter Kommunikationswissenschaftler (M.A.) und PR-Referent (FJS). Mehrjährige Agenturerfahrung, bei Kontext public relations und im arbeitsblog für die Kreation von Content zuständig.

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