In vier Schritten zur IT-Fachkraft aus dem Deep Web

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  • Im April erklärte Alexander Grünert, HR-Experte bei der EffiCon GmbH, warum ein Umdenken bei der Mitarbeiterrekrutierung notwendig ist
  • Wie er sich den neugedachten Weg vorstellt, verriet er auch: Die Suche nach IT-Fachkräften im Deep Web, einem Teil des Internets, das für viele im Verborgenen liegt, sollte in Betracht gezogen werden
  • Die Suche in den Tiefen des Internets ist leichter als gedacht, sagte der Experte schon damals. Jetzt legt Grünert nach und erklärt die vier wichtigsten Schritte, hin zur IT-Fachkraft aus dem Deep Web

Das Internet – ähnlich wie das Universum – besteht aus schier unendlichen Weiten. Suchmaschinen wie Google und Bing versuchen ihr Bestes, um Ordnung in den Wust an Webseiten zu bringen, der online verfügbar ist. Dass das nur in einem bestimmten Maße gelingt, beweist der Fakt, dass nur ein Bruchteil des Internets überhaupt durch Google und Co. zu erreichen ist.

Alexander Grünert über die schiere Größe des Deep Web:
Die Datenmenge des erweiterten Internet soll mehr als 500-mal größer sein, als die des herkömmlichen Webs. Allein dieser Fakt sollte Rekrutierer auf der Suche nach Fachkräften neugierig machen.

Geht man eine Ebene tiefer ins sogenannte Deep Web, eröffnen sich neue Horizonte. Die Datenmenge des erweiterten Internet soll mehr als 500-mal größer sein, als die des herkömmlichen Webs. Allein dieser Fakt sollte Rekrutierer auf der Suche nach Fachkräften neugierig machen, meint HR-Experte Alexander Grünert. Denn die Rechnung ist aus seiner Sicht ganz einfach: Ein Mehr an Daten und Webseiten ist gleichzusetzen mit einem Mehr an Usern, die wir erreichen können. Speziell technikaffine IT-Fachkräfte können über das Deep Web bestens rekrutiert werden, so Grünert.

In einem spannenden Interview mit dem arbeitsblog erklärte er bereits im April, wie das funktionieren kann. Jetzt lässt sich der Recruiting-Profi ein weiteres Mal in die Karten blicken und zeigt – auch anhand von Screenshots –, welche Schritte nötig sind, um in der Tiefe des Internets auf Bewerbersuche zu gehen.

1. Schaffen Sie sich sichere Zugänge
Der Weg ins Deep Web ist einfach, sollte aber sicher aufgesetzt werden. VPN-Tunnel und eine virtuelle Maschine – also ein Teil innerhalb des PCs, der von den restlichen Daten abgekoppelt ist und ausschließlich zur Recherche genutzt wird –, sind ein guter Start. Eine virtuelle Maschine mit Oracle VM zu erzeugen, gehört zu den einfachsten Möglichkeiten, sich eine sichere Umgebung zum Ausprobieren zu schaffen:

Wer bei den ersten Versuchen eine virtuelle Maschine nutzt, läuft nicht Gefahr, die tagtägliche Arbeitsumgebung im Falle von Fehlern oder Problemen zu beschädigen – Stichwort: entkoppelte Sicherheit. Hier lädt gerade unsere sichere Nutzungsumgebung:

Als Betriebssystem wähle ich Ubuntu, eine Linux-Distribution, die auf Debian basiert. Ebenso möglich wären zum Beispiel Fedora oder Linux Mint. Es gibt noch zahlreiche weitere Betriebssysteme, die meisten stehen kostenlos als Download zur Verfügung.


2. Das Tor zum Deep Web
Im nächsten Schritt müssen Sie noch einen Browser für das Deep Web herunterladen und eine Suchmaschine wählen. Einer der bekanntesten Browser heißt Tor. Genau wie Chrome, Firefox und Co. ist er ein völlig legaler Browser, seine Funktionsweise unterscheidet sich aber leicht. Über Viren müssen Sie sich nicht mehr Gedanken machen als sonst auch. Sie sind durch die virtuelle Maschine grundlegend abgesichert. Auch wenn Sie kein Geek sind, bleiben Sie mit Tor im Deep Web anonym. Die Suchanfragen und das Nutzungsverhalten werden mehrfach verschlüsselt, Ihre IP-Adresse ist geschützt. Über Tor können Sie natürlich auch die gewohnten Seiten aus dem Clear Web aufrufen.


3. Suchmaschinen helfen
Auch in den Tiefen des Internets können Sie sich auf Suchmaschinen verlassen. Von Google ist jedoch keine Spur. Das amerikanische Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Internet zu katalogisieren – das Deep Web ist damit jedoch nicht gemeint. Daher müssen Sie hier auf andere Anbieter zurückgreifen. Die klangvollen Namen Torch oder DuckDuckGO machen das beispielsweise möglich.


4. Jetzt geht’s ans Eingemachte – so finden Sie Ihren Traumbewerber
Versuchen Sie die gesuchte Zielgruppe zu verstehen! Nur wer genau weiß, was er sucht, kann es auch finden. Konkrete Stellenprofile spielen beim Active Sourcing im Deep Web keine Rolle. Viel wichtiger ist es, zu wissen, wo sich potenzielle Bewerber aufhalten. Suchen Sie zunächst allgemein nach groben Buzzwords. Entlang der Recherche werden Sie sehen, dass immer weitere Spezifikationen hinzukommen werden, die Sie dann in der Suche berücksichtigen können. Lesen Sie beispielsweise Foreneinträge im Deep Web, schauen Sie die Autoren der Beiträge genauer an. Klicken Sie sich, wenn vorhanden, durch deren persönliche Websites, Veröffentlichungen oder weitere Spuren im Deep Web. So lernen Sie die Menschen kennen und finden schnell heraus, ob er oder sie als Bewerber infrage kommt oder nicht.

Anonymität wird im Deep Web großgeschrieben. Das bedeutet aber auch: Ist der potenzielle Bewerber im Deep Web auffindbar, will er gefunden werden. Schauen Sie sich nach Wegen der Selbstdarstellung im Netz um. Technikaffine Menschen präsentieren häufig ihre Projekte und Arbeiten auf eigenen Websites und sprechen mit ihren Peers über die Erfahrungen. Dort geben sie ehrliche Informationen über sich, ihre Arbeit und ihr Können preis. Dieser Fundus an zugänglichen Infos übersteigt häufig das, was Sie auf Xing über die Person erfahren würden.

Fazit

Wenn Sie im Deep Web einen interessanten Kandidaten gefunden haben, können Sie seine Spur im Clear Web weiterverfolgen. Nehmen Sie entweder direkt Kontakt auf oder reichern Sie Ihre Recherche mit Infos aus dem ‚normalen Internet‘ an. Schauen Sie bei den klassischen Kanälen wie XING, was Sie noch so über die Person herausfinden können – das rundet das Bild ab. Ab jetzt geht der Bewerbungsprozess seinen klassischen Weg.

 

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Alexander Grünert ist seit dem Jahr 2017 Head of Recruiting für die EffiCon GmbH und damit maßgeblich in den Bereichen Life Science, Tech und Automotive tätig. In seiner Funktion unterstützt er außerdem die Entwicklung digitaler Geschäfts-/Kommunikationsmodelle rund um das Thema HR. Seine HR-Journey begann in der Start-Up-Szene im hart umkämpften FinTech-Umfeld.

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