„Wir als Branche müssen selbstbewusster werden!“

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praxis_reputationsmanagement
  • Christian Baumann, der iGZ-Bundesvorsitzende, betont: Der Zeitarbeitsbranche haftet ein negativer Ruf an, der ihr nicht gerecht wird
  • Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung haben Arbeitnehmer in der Zeitarbeit die gleichen Rechte wie andere Arbeitnehmer. Gerade Ingenieure und Pflegekräfte können von der Zeitarbeit profitieren
  • Die Branche muss der Öffentlichkeit verdeutlichen, dass Zeitarbeit eine wahre Option und kein Zwang für Alternativlose ist
  • Personaldienstleister werden von Unternehmen aufgrund ihrer hohen Rekrutierungsfähigkeit geschätzt. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels kann die Branche flexibel reagieren und auch Nischenmärkte abdecken
  • Auf dem ES-Unternehmerforum hält Christian Baumann einen Kurzvortrag zur Reputation der Zeitarbeitsbranche in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft

Der Zeitarbeitsbranche haftet ein negativer Ruf an, der der Branche nicht gerecht wird. Die Realität und das Image der Zeitarbeit driften zu weit auseinander. Nehmen wir das Beispiel der Ingenieursberufe: Ingenieure können durch die Zeitarbeit Erfahrungen in unterschiedlichen Unternehmen sammeln. Dadurch können sie sich das für sie passende Unternehmen aussuchen. Auch die Möglichkeit, sich ein Netzwerk an Kontakten aufzubauen, bietet die Arbeit in der Zeitarbeit.

Ein weiteres Beispiel ist die Pflegebranche: Immer mehr Krankenpflegekräfte bevorzugen die Arbeit als Zeitarbeitnehmer. Denn für konventionell beschäftigte Pflegekräfte sinkt die Attraktivität einer klassischen Anstellung im Krankenhaus oder Altenpflegeheim kontinuierlich. Pflegekräfte in der Zeitarbeit erhalten in der Regel gleiche oder gegebenenfalls höhere Löhne als Stammmitarbeiter von Kliniken und Einrichtungen. Altenpfleger und Krankenpfleger haben häufig die Option, Zeiteinteilung flexibler und nach ihren Wünschen hin auszurichten. In besonderen familiären Situationen kann zudem auf Nachtarbeit und Wochenenddienste verzichtet werden. Beide Bereiche sind nur zwei positive Beispiele von vielen.

Zeitarbeit: Sprungbrett und Türöffner
Vor allem ist es wichtig, dass wir als Branche selbstbewusster werden. Denn dank der Zeitarbeit haben auch viele Arbeitslose und Flüchtlinge wieder eine Perspektive im Leben, und das ist uns zu verdanken. Für Personen mit schwierigen Voraussetzungen bietet Zeitarbeit die Möglichkeit, den Sprung zurück ins Berufsleben zu schaffen. Zeitarbeit dient aber auch als Türöffner für Unternehmen, in die ein Arbeitssuchender sonst vielleicht nicht reinkommen würde. Fast zwei Drittel aller neu eingestellten Zeitarbeitskräfte waren zuvor arbeitslos gemeldet. Auch für Flüchtlinge sind wir der ideale Integrationsmotor. Zeitarbeit erleichtert Geflüchteten den Einstieg in die deutsche Arbeitswelt. Außerdem unterstützen Zeitarbeitsunternehmen ihre ausländischen Mitarbeiter, wo sie nur können. Das fängt bei Fragen zu Bankkonten an und geht bei Kindergeldanträgen weiter. In unserer Branche fand 2017 jeder fünfte Geflüchtete einen Job – und das, obwohl die Branche nur 2,7 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland zählt. Solche Zahlen kann keine andere Branche vorweisen.

Christian Baumann über Zeitarbeitnehmer als Markenbotschafter:
Die Wahrnehmung unserer Branche wird sich nur verbessern, wenn mehr Menschen in der Zeitarbeit tätig sind. Denn Menschen sind Markenbotschafter. Wir müssen der Öffentlichkeit verdeutlichen, dass Zeitarbeit eine wahre Option und kein Zwang für Alternativlose ist.

Der breiten Öffentlichkeit ist aber gerade diese Arbeit der Zeitarbeitsunternehmen nicht bewusst. Und die Wahrnehmung unserer Branche wird sich nur verbessern, wenn mehr Menschen in der Zeitarbeit tätig sind. Denn Menschen sind Markenbotschafter. Wir müssen der Öffentlichkeit verdeutlichen, dass Zeitarbeit eine wahre Option und kein Zwang für Alternativlose ist. Wir müssen besser kommunizieren, was die Zeitarbeit kann. Deswegen ist es essentiell, dass Zeitarbeitsunternehmen mehr mit den Medien und der Öffentlichkeit in Kontakt treten. Viele machen die Medien für unser schlechtes Image verantwortlich. Aber wir, die Zeitarbeitsunternehmen, müssen der Öffentlichkeit mehr Einblicke in unsere Arbeit geben. Dadurch können Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden. Es ist wichtig, Politikern und der Presse zu zeigen, dass wir uns am „Leitbild guter Zeitarbeit“ orientieren. Arbeitgeber in der Zeitarbeit sind dafür die besten Botschafter. Nur durch Einblicke in unsere Arbeit können die Vorurteile über unsere Branche abgebaut werden.

Die Branche beschäftigt immer mehr Fachkräfte
Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung haben Arbeitnehmer in der Zeitarbeit die gleichen Rechte wie andere Arbeitnehmer. Ein Zeitarbeitsverhältnis ist in aller Regel eine unbefristete, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit übertariflicher Bezahlung. Auch deshalb beschäftigt unsere Branche immer mehr Fachkräfte, wie beispielsweise Schweißer, Elektriker oder Ingenieure mit überdurchschnittlichem Verdienst. Lediglich wechselnde Einsätze, die es Arbeitnehmern ermöglichen, viel Berufserfahrung innerhalb kürzester Zeit zu sammeln, machen den Unterschied. Diese Erfahrung kann insbesondere für Absolventen ein reizvoller Karriereeinstieg sein.

Unternehmen gehen vor allem aktiv auf Personaldienstleister zu, weil unsere Branche über eine so hohe Rekrutierungsfähigkeit verfügt. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels können wir als Branche sehr flexibel reagieren und auch Nischenmärkte abdecken. Dieser weitere Vorteil der Zeitarbeit muss von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Zwar wird die Integration von Personen in den Arbeitsmarkt weiterhin von Bedeutung sein, aber wir werden in Zukunft unseren Schwerpunkt anders setzen. Zeitarbeitsunternehmen sollen als professionelle Personalpartner für Unternehmen wahrgenommen werden.

Fazit

Wir brauchen ein konsensfähiges Rollenverständnis unserer Branche. Die Öffentlichkeit muss sehen, was die Zeitarbeit alles leisten kann. Deshalb müssen wir aktiv an einer Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung unserer Branche arbeiten. Und diesen Imagewandel möchte ich in meiner Amtszeit als Bundesvorsitzender des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen erreichen.
 

Im Rahmen des 12. ES-Unternehmerforums am 17. April 2018 in Bad Nauheim hält Christian Baumann einen Kurzvortrag zur Reputation der Zeitarbeitsbranche in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Alle Informationen zur Veranstaltung stehen hier für Sie bereit.


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Christian Baumann ist Geschäftsführer der pluss Personalmanagement GmbH sowie der Treibstoff HR Changer GmbH und Bundesvorsitzender des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen. Er verfügt über rund 15 Jahre Erfahrung in nationalen und internationalen Projekteinsätzen. Außerdem berät und schult er Unternehmen sowie öffentliche Einrichtungen in den Bereichen Personalmanagement und Arbeitsmarktregulierung.

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