08.04.2026

3 Fragen an Luca Kretz: Wie trifft man gute Entscheidungen im Umgang mit KI?

  • Personaldienstleister brauchen Kernkompetenzen, um fundierte Entscheidungen im Umgang mit KI treffen zu können.
  • An welchen Stellen kann KI im Alltag wirklich unterstützen und wo bleibt der Mensch gefordert?
  • Luca Kretz, Head of AI bei zvoove, erklärt, wie Künstliche Intelligenz eine wirkliche Unterstützung bieten kann.

arbeitsblog: Zwischen Revolution und Hype wird viel über KI gesprochen. Was müssen Personaldienstleister heute verstehen, um fundierte Entscheidungen im Umgang mit KI zu treffen?

Luca Kretz: Wer heute gute Entscheidungen im Umgang mit KI treffen will, sollte nicht bei Tools anfangen, sondern bei der eigenen Ausgangssituation: Wie ist die Qualität unserer Daten, wie sieht unsere Systemlandschaft aus, mit welchen Prozessen arbeiten wir? Viele Unternehmen beschäftigen sich derzeit intensiv mit KI, tun das aber häufig eher punktuell. 

Der eigentliche Mehrwert entsteht erst, wenn klar ist, an welchen Stellen im Alltag KI wirklich unterstützen kann. So lassen sich beispielsweise strukturierte, wiederkehrende Aufgaben wie das Auslesen von Zeitnachweisen oder die Ausarbeitung von Kandidat*innenvorschlägen heute schon gut vorbereiten. Bei solchen Vorgängen liefert KI aber lediglich eine Grundlage und keine Entscheidung. Was diese betrifft, bleibt der Mensch gefordert – immer dort, wo es um Einordnung und Verantwortung geht.

arbeitsblog: In der Paneldiskussion auf der zCom geht es um die Frage, wie viel KI die DNA der Personaldienstleistung verträgt. Wo siehst du die Balance zwischen technologischer Innovation und der menschlichen Komponente der Branche?

Luca Kretz: Im Wort Personaldienstleistung steckt das Wort Person und das ist kein Zufall. Beziehungen, Vertrauen und Einschätzungen lassen sich nicht automatisieren. Gleichzeitig sieht man im Alltag vieler Unternehmen, dass gerade die Aufgaben, die wenig mit diesen menschlichen Faktoren zu tun haben, besonders viel Zeit binden, also etwa Dokumentation, Systempflege oder wiederkehrende Abläufe. An genau diesen Stellen beginnt der sinnvolle Einsatz von KI. 

Wenn Menschen nun die automatisierbaren Aufgaben nicht mehr erledigen müssen, entsteht erst Raum für echte Interaktion. Dabei gewinnt der Mensch allerdings nicht automatisch mehr Zeit – er muss schon bewusst entscheiden, wofür er die gewonnenen Freiräume nutzen will. 

arbeitsblog: Du verantwortest die strategische Implementierung von KI in die zvoove-Produkte. Welche Schwerpunkte setzt ihr 2026? Und wie entwickelt sich die Rolle von KI in eurer Produktstrategie weiter?

Luca Kretz: 2026 geht es für uns vor allem darum, KI stärker in den Arbeitsalltag zu integrieren – nicht als zusätzliches Tool, sondern als Teil der bestehenden Abläufe. Wir haben es ja schon festgehalten: Der eigentliche Fortschritt entsteht dann, wenn KI nicht zusätzlich genutzt, sondern Teil der täglichen Arbeit wird. Wir sehen großes Potenzial in der Unterstützung von Prozessen, die ich oben bereits beschrieben habe, also vor allem bei ständig denselben oder immer wieder ähnlichen Abläufen. 

Ein besonderer Schwerpunkt liegt für uns auf dem Umgang der KI mit Dokumenten: Inhalte verstehen, relevante Informationen herausziehen und so aufbereiten, dass sie direkt weiterverarbeitet werden können. Moderne Modelle können inzwischen auch mit unstrukturierten Informationen umgehen – ein Gesprächsprotokoll oder eine individuelle Anfrage reichen oft schon aus, um Prozesse sinnvoll vorzubereiten. Das macht KI ja gerade für unsere Branche so interessant.

Ein weiterer Punkt ist die Interaktion mit der Software selbst. Moderne Systeme sind erklärender, unterstützen beim Einstieg und helfen im Alltag. 

Wo auch immer KI eingesetzt wird – das Ziel bleibt immer gleich: weniger Zeit im System, mehr Zeit für den Menschen


Über Luca Kretz

Luca Kretz verantwortet als Head of AI die strategische Weiterentwicklung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den Produkten von zvoove. Mit über sieben Jahren Erfahrung in AI und Data Science entwickelt er praxisnahe KI-Systeme mit klarem Fokus auf Kundennutzen. Zuvor war er als Data Scientist und Berater tätig. Auf der zCom bringt er seine Perspektive zur Rolle von KI in der Personaldienstleistung ein.

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