18.01.2018 Bernd Risch

ISDN ist tot – lang lebe VoIP

  • Bis Ende 2018 sollen alle ISDN-Anschlüsse in Deutschland abgeschaltet und durch Internet-basierte IP-Anschlüsse ersetzt werden
  • IT-Profi Bernd Risch stellt bei manchen seiner Kunden Zurückhaltung gegenüber der neuen Voice over IP-Technologie fest, hält die Umstellung aber für überfällig
  • Internet-basierte Telefonie deckt alle Funktionen analoger ISDN-Anlagen ab – und bietet Leistungen, die weit darüber hinaus gehen
  • Gerade die Option, die TK-Anlage gehostet aus der Cloud zu beziehen, hält Bernd Risch für spannend. Dabei gilt es jedoch auch einige Punkte zu beachten

Die Deutsche Telekom will bis Ende dieses Jahres alle ISDN-Anschlüsse abschalten. Den privaten und gewerblichen Kunden des Netzbetreibers bleibt dann nichts anderes übrig, als auf Internet-basierte Telefonie – sogenannte Voice over IP (VoIP), bei der Sprachpakete in Datenpakete umgewandelt und über das Internet-Protokoll übertragen werden (siehe Video unten) – umzusatteln. Viele Nutzer haben das bereits schon getan. Ende April 2017 lag die Quote der VoIP-Anschlüsse im deutschen Geschäftskundenbereich bei 45 Prozent. Aktuelle Zahlen haben die Bonner seitdem nicht veröffentlicht. Die 50-Prozent-Marke dürfte inzwischen aber deutlich überschritten worden sein.

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Wenn ich mich mit Kunden über die Umstellung von ISDN zu VoIP unterhalte, stelle ich oft ein gewisses Maß an Zurückhaltung und Skepsis fest. Einerseits kann ich das verstehen. Wir alle haben uns seit Anfang der 1990er an ISDN gewöhnt. Die Technik lief weitgehend pannenfrei, wir waren zufrieden. Und jetzt entscheidet der Magenta Riese über die Köpfe aller hinweg, das bewährte System abzuschaffen. Skandal? Nein. Denn dieser Schritt war längst überfällig. Im europäischen Vergleich sah es nämlich lange so aus, als drohte Deutschland die Entwicklung hin zur IP-Telefonie zu verschlafen.

Telefonanlage aus der Cloud
Das wäre schade, denn eine professionelle VoIP-Telefonanlage bietet gegenüber der analogen ISDN-Lösung viele Vorteile. Insbesondere dann, wenn sie virtuell aus der Cloud bezogen wird. Das Prinzip hinter der Telefonie aus der Wolke ist simpel: Alle Funktionen der TK-Anlage werden in einem Rechenzentrum gehostet und dem Kunden über das Internet bereitgestellt. Grundsätzlich bringen gehostete TK-Anlagen also alle Benefits mit sich, die auch andere Cloud-Computing-Dienste auszeichnen:

  • Ausfallsicherheit: Führende Anbieter hosten TK-Anlagen redundant in zertifizierten Hochsicherheitsrechenzentren und erhöhen die Ausfallsicherheit so auf ein Maximum.
  • Skalierbarkeit: Nutzerlizenzen werden bedarfsgerecht in Einzelschritten nach oben oder unten skaliert. Unternehmen passen die Telefonie so an die Geschäftsentwicklung an und zahlen nur für Nebenstellen, die sie tatsächlich brauchen.
  • Kostenersparnis: Outgesourcte Telefonanlagen konsolidieren die IT-Infrastruktur im Unternehmen und werden für gewöhnlich auf Monats- oder Jahresbasis abgerechnet. Hohe Anfangsinvestitionen fallen nicht an, Betriebe schonen ihr Eigenkapital.
  • Zukunftssicherheit: Für die Bereitstellung, Aktualisierung, Absicherung, Pflege und Wartung der Telefonanlage zeichnet der Hosting-Anbieter verantwortlich. Unternehmen müssen also weder die personellen Ressourcen noch das technische Know-how zur Verfügung stellen – und können sich ganz auf ihr Kerngeschäft fokussieren.

Das Smartphone als vollwertige Nebenstelle
Darüber hinaus warten Cloud-basierte TK-Lösungen mit einem Leistungsspektrum auf, das die Funktionen klassischer, analoger ISDN-Anlagen – etwa Makeln, Anklopfen, Gruppenanrufe oder Rufumleitungen – nicht nur abdeckt, sondern weit übertrifft. So können Nutzer von jedem beliebigen Standort (Büro, Home Office, auf Dienstreise) mit den unterschiedlichsten Endgeräten (schnurgebundene oder digitale Telefone, Softphone-Clients) auf die Cloud-Anlage samt Adressbuch, Ruflisten, Voicemails etc. zugreifen. Auch Smartphones lassen sich in die Anlage einbinden – und zwar als vollwertige Nebenstellen. Das bedeutet: Mitarbeiter sind auch auf dem Handy unter ihrer Büronummer zu erreichen, können auch von unterwegs aus auf Adressbuch, Ruflisten oder Voicemails zugreifen – und sind genauso produktiv wie am Arbeitsplatz. Weitere praktische VoIP-Features sind das elektronische Fax, bei dem Faxe per E-Mail gesendet und empfangen werden, die Verknüpfung der Telefonie mit bestehenden Software-Programmen (Outlook, ERP- oder CRM-Systemen) und die Zugriffsmöglichkeit auf sämtliche Unified-Communication-Funktionen.

Ist Ihre Internetverbindung stark genug?
Wenn Sie sich nun aufgrund aller genannten Vorteile für eine Telefonanlage aus der Cloud entscheiden, dann achten Sie im Vorfeld vor allem auf folgende Punkte:

  • Upload-Volumen der Internetverbindung: Keine Frage, VoIP-Telefonie steht und fällt mit der Qualität der Internetverbindung. Welche Leitung vor Ort benötigt wird, ist abhängig davon, wie viele Telefone angeschlossen werden, wie viele Leute im Schnitt gleichzeitig telefonieren und welchen weiteren Traffic es gibt. Firmen mit bis zu zehn Teilnehmern können Telefonie und den normalen Internetverkehr bedenkenlos über die gleiche Leitung laufen lassen, sollten aber darauf achten, dass mindestens 50 Mbit/s zur Verfügung stehen. Für Unternehmen mit mehr als zehn Teilnehmern empfiehlt es sich, die Telefonie über eine getrennte, dedizierte Leitung abzuwickeln.
  • Quality of Service: Wird für Telefonie und sonstigen Internetverkehr die selbe Verbindung genutzt, spielt Quality of Service (QoS) eine wichtige Rolle. Dadurch wird, vereinfacht gesagt, die Sprache gegenüber anderem Traffic (z. B. parallel stattfindende Downloads) priorisiert behandelt und so eine stabile Verbindung sichergestellt. Apropos Qualität: Die Gesprächsqualität bei VoIP ist mindestens genauso gut wie bei ISDN. Beide Technologien basieren nämlich auf dem gleichen Codec (G.711). Immer häufiger unterstützen IP-Endgeräte und IP-Netze jedoch auch Gespräche in HD-Klangqualität (Codec G.722) – und liefern damit eine noch bessere Qualität als das ISDN-Netz.
  • Die Wahl des Rechenzentrums: Um die Sicherheit Ihrer Daten zu gewährleisten – und um die im Mai in Kraft tretende EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu erfüllen –, sollten Sie darauf achten, dass Ihre virtuelle TK-Anlage in einem deutschen Rechenzentrum gehostet wird. Ebenfalls ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist die Zertifizierung ISO 27001.

Fazit

Dass in Deutschland bald auch der letzte ISDN-Anschluss abgeschaltet wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Problematisch ist das nicht, im Gegenteil: Mit Voice over IP steht die Nachfolgelösung längst bereit – und kann mit der analogen Technik nicht nur mithalten, sondern stellt sie in den Schatten. Gerade mit der Möglichkeit, die TK-Anlage als gehostete Lösung aus der Cloud zu beziehen, sollten sich Unternehmen näher beschäftigen. Denn dadurch erschließen sich ihnen nicht nur Einsparpotenziale, sondern auch eine ganze Reihe praktischer Features.

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