„Qualität ist ein zentraler Schlüssel für zukunftsfähiges Unternehmertum in unserer Branche.“
- Für den Gesamtverband der Personaldienstleister e. V. (GVP) spielt Qualität in der Branche eine zentrale Rolle. Mit der Einbindung der Qualitätsstandards in den Ethik- und Verhaltenskodex geht der Verband bewusst über gesetzliche Mindestanforderungen hinaus und macht sichtbar, wofür Personaldienstleister stehen wollen.
- Gerade in sensiblen Bereichen wie Pflege, Pädagogik oder internationaler Mobilität entscheiden transparente Prozesse und geprüfte Eignung über Vertrauen und Qualität.
- Im Interview erklärt GVP-Hauptgeschäftsführer Florian Swyter, warum freiwillige Selbstverpflichtung stärker wirkt als Regulierung und wie Qualität zur entscheidenden Währung im Wettbewerb wird.
arbeitsblog: Dieses Jahr rückt der GVP das Thema Qualität deutlich in den Fokus. Warum ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt dafür?
Florian Swyter: Der Zeitpunkt ist ideal, weil wir mit dem nun zwei Jahre „alten“ GVP eine neue, starke gemeinsame Basis geschaffen haben. Im Juni 2025 haben wir auf unserer Mitgliederversammlung einen entscheidenden Schritt gemacht: Die Qualitätsstandards wurden in den Ethik- und Verhaltenskodex des Verbandes eingebunden und haben dadurch eine noch höhere Verbindlichkeit erhalten. Zudem wächst in einer immer komplexer werdenden Arbeitswelt – man denke nur an den Fachkräftemangel in der Pflege oder die Notwendigkeit internationaler Rekrutierung – das Bedürfnis nach Orientierung und verlässlichen Partnern. Und so haben wir nun Mitte Januar eine Aktion gestartet, um die Qualitätsstandards unter dem Motto „Stärke dein Profil. Mach Qualität sichtbar!“ bekannter zu machen. Die Unterzeichner der Qualitätsstandards beteiligen sich schon fleißig an der Aktion auf LinkedIn und weiteren Kanälen.
arbeitsblog: Qualitätsstandards gibt es in vielen Branchen. Was unterscheidet die GVP-Qualitätsstandards von allgemeinen Leitlinien oder gesetzlichen Mindestanforderungen?
Florian Swyter: Die Standards sind von erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern der jeweiligen Bereiche erarbeitet worden. Das garantiert von vorneherein eine große Praxisnähe der Kriterien.
Ein entscheidendes Merkmal ist, dass unsere Unterzeichner bewusst über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Es geht nicht nur darum, was man tun muss, sondern was man tun sollte, um eine gute Dienstleistung, um gute Arbeit zu gewährleisten. Nehmen wir die Pflege oder den pädagogischen Bereich. Beides sind besonders sensible Bereiche, in denen nicht nur fachliche Qualifikationen – die sind natürlich die Basis – zählen. Also haben wir dazu konkrete Kriterien definiert, dass auch Empathie und soziale Kompetenz geprüft werden müssen. Oder bei der internationalen Mobilität, wo wir uns zu transparenter Kostenkommunikation und aktiver Integrationshilfe verpflichten, was weit über das Arbeitsvertragsrecht hinausreicht.
arbeitsblog: Die Mitgliedsunternehmen verpflichten sich freiwillig zur Einhaltung dieser Standards. Warum ist diese Freiwilligkeit aus Ihrer Sicht ein zentraler Bestandteil des Konzepts?
Florian Swyter: Qualität, die von innen kommt, ist nachhaltiger als jeder Zwang. Die Freiwilligkeit ist ein starkes Signal der Selbstverpflichtung. Wer die GVP-Qualitätsstandards unterzeichnet, tut dies aus Überzeugung und nutzt die entsprechende Vignette oder die Urkunde, um dieses „Qualitätsversprechen“ nach außen sichtbar zu machen. Es ermöglicht den Unternehmen, sich als Qualitätsführer vom Wettbewerb abzuheben, und zeigt Kunden und Kandidaten auf den ersten Blick: Hier wird fair und ethisch gehandelt.
arbeitsblog: Wo erleben Sie in der Praxis die größten Qualitätsrisiken und wie helfen die Standards konkret dabei, diese zu minimieren?
Florian Swyter: Risiken entstehen oft dort, wo Menschen besonders schutzbedürftig sind oder Prozesse intransparent laufen.
- In der Pflege und Pädagogik sind die Risiken besonders hoch, wenn Personal ohne passende Eignung eingesetzt wird. Unsere Standards fordern daher die Prüfung von Originaldokumenten und Führungszeugnissen sowie eine Sensibilisierung für den Schutzraum der Einrichtungen.
- Bei der internationalen Mobilität besteht die Gefahr der Isolation. Die Standards steuern dem mit Regelungen zur Unterstützung bei Behördengängen, Wohnungssuche und Sprachkursen entgegen.
- In der Ausbildung stellen Kriterien die richtige Balance aus Lernen und Arbeiten sicher, indem sie zum Beispiel festlegen, dass Azubis nicht als volle Arbeitskraft eingeplant werden und ausreichend Lernzeit erhalten.
Die Standards machen aus einem abstrakten Dienstleistungsversprechen eine überprüfbare Haltung. Das signalisiert der Politik und der Öffentlichkeit: Wir sind Teil der Lösung, nicht des Problems.
arbeitsblog: Die Branche wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft sehr einseitig dargestellt. Welche Rolle können die Qualitätsstandards dabei spielen, das Vertrauen der Kund*innen, Bewerbenden und auch in der Politik zurückzugewinnen?
Florian Swyter: Die GVP-Qualitätsstandards zeigen schwarz auf weiß, dass wir uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind – gerade in sensiblen Bereichen. Wenn wir uns beispielsweise in der Personalvermittlung zu Transparenz, Datensicherheit und einer langfristigen Orientierung statt schneller Abschlüsse verpflichten, schafft das Vertrauen. Die Standards machen aus einem abstrakten Dienstleistungsversprechen eine überprüfbare Haltung. Das signalisiert der Politik und der Öffentlichkeit: Wir sind Teil der Lösung, nicht des Problems.
arbeitsblog: Was sagen die Standards aus Ihrer Sicht über das Selbstverständnis der Personaldienstleistung aus, gerade in sensiblen Bereichen wie Pflege oder Pädagogik?
Florian Swyter: Sie unterstreichen, dass wir uns als „Ehrbare Kaufleute“ verstehen, die den menschlichen Faktor in den Mittelpunkt stellen. In der Pflege und Erziehung arbeiten wir mit Menschen für Menschen. Das erfordert eine besondere Verantwortung – sowohl gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als auch gegenüber den Patienten oder Kindern in den Einrichtungen. Das Selbstverständnis lautet hier ganz klar: Qualität und Sicherheit gehen vor Schnelligkeit oder reinem Profitdenken.
arbeitsblog: Die Qualitätsstandards gelten für unterschiedliche Segmente – von Personalvermittlung über Ausbildung bis hin zur internationalen Mobilität. Warum war es dem GVP wichtig, diese Bereiche differenziert zu betrachten?
Florian Swyter: Weil ein „One-Size-Fits-All“-Ansatz der Komplexität unserer Dienstleistungen nicht gerecht wird. Die Herausforderungen bei der Integration einer Fachkraft aus dem Ausland sind völlig andere als bei der Ausbildung eines Personaldienstleistungs-kaufmanns oder der Vermittlung einer Führungskraft. Durch die spezifischen Standards für Bereiche wie internationale Mobilität, Pflege, Pädagogik, Ausbildung und Personalvermittlung können wir passgenaue Antworten auf die jeweiligen Risiken und Anforderungen geben. Die genannten Bereiche sind aber kein abgeschlossener Katalog. Im regen Austausch zwischen Mitgliedern und Funktionsträgern – aus dem Ehren- und dem Hauptamt – schauen wir, wo noch weitere Standards sinnvoll sein können.
arbeitsblog: Was bedeutet die Verpflichtung zu den Qualitätsstandards ganz konkret für ein Unternehmen im Alltag? Wo zeigt sich Qualität jenseits von Zertifikaten und Vignetten?
Florian Swyter: Qualität zeigt sich in den gelebten Prozessen. Das bedeutet, dass sich ein Disponent die Zeit nimmt, Originalunterlagen von Examina und Fortbildungen zu prüfen, bevor eine Pflegekraft eingestellt und beim Kunden eingesetzt wird. Es bedeutet, dass ein Azubi regelmäßige, fest terminierte Feedbackgespräche erhält. Es bedeutet, dass bei internationalen Fachkräften schon vor der Anreise transparent über Lebenshaltungskosten aufgeklärt wird und bei der Ankunft jemand bereitsteht, der hilft. Es geht um das tägliche „Wie“ der Arbeit, nicht nur um das Etikett.
arbeitsblog: Wenn wir einen Blick auf die kommenden Jahre werfen: Welche Bedeutung wird das Thema Qualität für die Wettbewerbsfähigkeit der Personaldienstleistung haben?
Florian Swyter: Qualität wird zur entscheidenden Währung. In einem Markt, der von Fachkräftemangel geprägt ist, suchen Bewerber sich die Arbeitgeber aus, die sie fair behandeln und fördern. Und Kunden buchen dort, wo sie Transparente Prozesse und gut qualifiziertes Personal bekommen. Wer sich hier nicht klar über Qualität positioniert – etwa durch unsere Standards – wird es schwer haben. Qualität ist kein „Nice-to-have“ mehr, sondern ein zentraler Schlüssel für zukunftsfähiges Unternehmertum in unserer Branche.
arbeitsblog: Vielen Dank für das Gespräch!
Weitere Informationen zu den GVP-Qualitätsstandards finden Sie unter https://personaldienstleister.de/der-gvp/leitlinien/qualitaetsstandards/allgemein/