Eine Branche im Wandel: Wie sieht die Zukunft der Personaldienstleistung aus?

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menschen_meinung
  • Quo vadis Personaldienstleistung? Wohin steuert die Branche, welche politischen Entscheidungen und Gesetzesänderungen werden sie in den kommenden Jahren prägen und welche wichtigen Trends dürfen Sie nicht verpassen?
  • Matthias Ruff, Berater und Interim-Manager mit langjähriger Erfahrung als Senior Manager eines führenden Konzerns, widmet sich der Frage nach der Zukunft der Branche und stellt wegweisende Entwicklungen vor, die Personaldienstleister aus seiner Sicht unbedingt beachten sollten.
  • Bei dem Text handelt es sich um einen Auszug aus Matthias Ruffs Buch „Ganzheitliche Personaldienstleistungen“, das hier erhältlich ist.

Die Personaldienstleistung als Ganzes wurde hart von der Corona-Krise getroffen. Letztendlich sind die Auswirkungen der Pandemie aber gleichzeitig Brandbeschleuniger für künftige Trends wie beispielsweise Digitalisierung oder Flexibilisierung. Neben Arbeitnehmerüberlassung als einen Baustein werden bei Personaldienstleistern in Zukunft verstärkt auch Leistungen wie Personalvermittlung sowie der Einsatz Selbstständiger über Dienst- oder Werkverträge angefragt.

Doch wie entwickelt sich der Markt in Deutschland auf längere Sicht? Welche Zukunft haben die Personaldienstleistungen? Diese Fragestellungen genau zu prognostizieren, ist natürlich schwer. Insbesondere politische Entwicklungen und die daraus folgenden Gesetze haben Einfluss. Dieser Einfluss ist sicherlich im Bereich der Gewerke und im Zusammenhang mit dem Thema Scheinselbstständigkeit, insbesondere im Interim-Markt, sehr groß. Noch entscheidender macht er sich jedoch in der politisch parteienabhängig umstrittenen Arbeitnehmerüberlassung bemerkbar. Trotzdem sind klare makroökonomische Tendenzen zu erkennen und Schlüsse daraus zu ziehen.

Die wichtigsten Faktoren im Überblick

Der Arbeitsmarkt und die Beschäftigung in Deutschland befinden sich in einer massiven Umbruchphase. Gründe dafür sind insbesondere:

• Fachkräftemangel

• Wertewandel der Generationen und Stellung der Arbeit

• Demografischer Wandel

• Flexibilität

• Zunehmende Spezialisierung und folgend kleinteiliges Arbeiten

• Zunehmend Projektorganisationen

• Agiles Arbeiten

• Bedeutung der HR bis hin zu HR Business Partner

• Notwendigkeit atmender Organisationen

• Schnellere technologische Zyklen

• Globalisierung/Internationalisierung

• Digitalisierung

Flexibles Arbeiten und zunehmende Bedeutung der Personaldienstleistungen

Die genannten Themen werden uns weiter begleiten und zu weiteren Umbrüchen in der Erwerbslandschaft führen. Der Planungshorizont für Unternehmen hat sich bei steigender Komplexität der Umwelt deutlich reduziert. Prognosen sind unsicherer geworden und Entscheidungen unter erhöhter Unsicherheit für das Management die Regel. Nicht nur aus diesen Gründen wird ein hoher Flexibilitätsgrad immer wichtiger. Unternehmen werden noch flexiblere Arbeitsformen finden müssen; agile Methoden und zunehmende Projektorganisationen „befeuern“ dies zusätzlich. Es werden immer häufiger andere, sich ändernde Fähigkeiten benötigt. Eine Generation der Erben und der Wunsch nach einem sinnerfüllten Leben wird zunehmend von dem fortführenden Wunsch nach Eigenverantwortlichkeit in die berufliche Selbständigkeit führen.

Trotz aller Technologien steht der Mensch im Mittelpunkt! Personaldienstleistungen sind ein wesentlicher Baustein und werden wichtiger werden. Die Zusammenarbeit mit Dienstleistern wird sich intensivieren, neue Jobbilder in kürzeren Zeitabständen entstehen. Viele Gründe sprechen für eine zunehmende Bedeutung der Personaldienstleistungen.

Personaldienstleistung im Wandel

Wie ist der Status quo der Branche? Der Markt der Personaldienstleistung hat sich in den letzten Dekaden stark gewandelt. Führende Personaldienstleister haben ihr Portfolio erweitert und bieten nun Interim-Einsätze über Dienstverträge, Managed Service Providing, Vendor-Management-Systeme, Recruitment Process Outsourcing (RPO) sowie Werkverträge an oder haben in Crowdsourcing investiert. Einige Industrieländer sind im Industriezyklus der Branche in Deutschland allerdings deutlich voraus und haben einen höheren Entwicklungsgrad. In diesen Ländern ist der Durchdringungsgrad höher, die eng verkette Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern selbstverständlicher, in der Gesellschaft angesehener und in Teilen auch politisch unterstützt.

Menschen benötigen mehr denn je Unterstützung von Profis im Sinne einer (berufs-)lebenslangen Begleitung. Diesen Bedarf werden Personaldienstleister aus meiner Sicht zunehmend für sich entdecken und Konzepte weiterentwickeln. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Markt der Fortbildungen für Personaldienstleister interessanter und die Bundesagentur für Arbeit in der Fortbildung die Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern intensivieren wird. Neue, sehr interessante Berufsbilder bei Personaldienstleistern selbst werden entstehen. Somit wird die Branche auch für weitere Berufsgruppen interessant und erschließt sich weitere (interne) Kandidatenmärkte.

Der Bedarf an der klassischen Personalvermittlung wird meiner Meinung nach steigen. Es werden immer mehr RPO-Programme mit einer Vielzahl zu besetzender Stellen aufgesetzt werden. Personalvermittler werden auch aufgrund technischer Möglichkeiten immer produktiver.

Unternehmen benötigen Netzwerke und werden noch stärker ganze Arbeitspakete abgeben. Die Schnittmengen von Personaldienstleistern zu anderen Dienstleistern, etwa im Bereich des Ingenieurwesens, werden größer werden. Werkverträge mit Hochqualifizierten bieten enorme Wachstumsfelder für größere Gesellschaften.

Für Matthias Ruff stehen die Zeichen im Bereich der Personaldienstleistungen auf Wachstum:
Die Zusammenarbeit mit Dienstleistern wird sich intensivieren, neue Jobbilder in kürzeren Zeitabständen entstehen. Viele Gründe sprechen für eine zunehmende Bedeutung der Personaldienstleistungen.

Von Seiten der Wirtschaft werden Personaldienstleistungen dringend benötigt. Doch die künftigen Arbeitnehmerüberlassungsgesetze werden großen Einfluss auf den Markt der Zeitarbeit haben und entscheidend von den Regierungskonstellationen abhängig sein. Die letzte Reform gab es 2017, die Evaluation wird aktuell ausgewertet.

Auch der Markt der Selbstständigen wird aus meiner Sicht wachsen. Deren Anteil wird sich international auch aufgrund von Generationentrends von aktuell unter 10 Prozent der Erwerbstätigen auf deutlich über 15 Prozent nach oben angleichen. Insbesondere höherqualifizierte Silver Ager werden dieses Modell verstärkt suchen, um weiter am Arbeitsleben teilzuhaben. Die Politik wird sich dem dauerhaft beugen, durch Positivkriterien einen höheren Grad Rechtssicherheit im Sinne von (Schein-)Selbständigkeit schaffen. Die Einführung einer Altersvorsorgepflicht für Selbstständige halte ich für sehr wahrscheinlich.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Markt wird wachsen! Die Branche wird sich weiter professionalisieren. Künstliche Intelligenz wird den einzelnen Mitarbeiter innerhalb der Branche produktiver, besser und zielgerichteter werden lassen. Viele kleinere Anbieter werden übernommen oder vom Markt verschwinden, ebenso wird es Zusammenschlüsse großer Personaldienstleister geben. Regionale, auf Branchen oder Themen spezialisierte Dienstleister sind erfolgreich in ihren Nischen. Das Plattformwesen wird eine noch größere Bedeutung bekommen. Der Bereich der Fortbildung wird weiter strukturiert erschlossen, ebenso wie Crowdsourcing.

Alle Portfoliobausteine der Personaldienstleistungen bieten Wachstum. Der Markt bietet spannende Aufgaben für interne Mitarbeiter und aufgrund der Dynamik sehr gute Weiterentwicklungsmöglichkeiten.

Dank seiner langjährigen Erfahrung als Senior Manager eines international führenden Konzerns, Berater, Interim Manager und Unternehmensgründer kennt Matthias Ruff die Branche der Personaldienstleistungen in- und auswendig. Seine Verantwortungsfelder umfassen die maßgeblichen Berufsbilder und Leistungsbausteine des Portfolios der Personaldienstleistung – etwa Vermittlung, Arbeitnehmerüberlassung, Werkverträge, Managed Services oder die Zusammenarbeit mit Freelancern. Matthias Ruff verfügt über umfassendes Wissen aller Vertragsformen sowie über tiefgreifende Kenntnisse der für B2B-Dienstleister wesentlichen Erfolgsaspekte wie Sales, Compliance, Recruiting, Strategy Management und Digitalisierung. Gegenwärtig arbeitet er als Autor und als externer Berater/Interim Manager für Personaldienstleistungsunternehmen.

2 Kommentare
  • Jörg Schneider
    Jörg Schneider
    1 week ago
    derart viele Worte ohne Inhalte liest man heute leider viel zu häufig, aber das ist schon echt dürftig
    • Redaktion arbeitsblog
      Redaktion arbeitsblog
      1 week ago
      Hallo Herr Schneider,

      vielen Dank für Ihren Beitrag. Bei dem Artikel handelt es sich um eine Zukunftsprognose, die basierend auf der Erfahrung des Autors und seiner Einschätzung aktuell vorherrschender Trends getroffen wird. Hier ganz konkrete Aussagen zu treffen, die quasi „in Stein gemeißelt“ sind, ist bei dieser Thematik schwierig. Dennoch spricht Matthias Ruff aus unserer Sicht wichtige Themen wie die Flexibilisierung der Arbeitswelt oder die zunehmende Bedeutung differenzierter Personaldienstleistungen an. Haben Sie selbst weitere Anregungen zu Themen, Trends und Entwicklungen, die Sie in diesem Zusammenhang anbringen möchten?

      Viele Grüße,
      die arbeitsblog-Redaktion

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