Heinz Ostermann: „Personaldienstleistung ist mehr als ‚nur‘ Zeitarbeit“

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  • Heinz Ostermann ist neuer Vorsitzender des Verbandsbereichs Personalvermittlung (VBPV) im Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP)
  • Im Interview spricht Ostermann, der bei I. K. Hofmann als Mitglied des Executive Committee und Prokurist tätig ist, über den konkreten Mehrwert, den die Personalvermittlung bietet. Zudem geht er darauf ein, wie er das Thema künftig stärker in den Vordergrund rücken will
  • Ostermann ist überzeugt: Personaldienstleister, die ihre Kunden rundum zufriedenstellen wollen, sollten Arbeitnehmerüberlassung und Personalvermittlung im Dienstleistungsportfolio haben

Seit Ende September 2019 ist Heinz Ostermann neuer Vorsitzender des Verbandsbereichs Personalvermittlung (VBPV) im Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP). Im Interview mit dem arbeitsblog spricht Ostermann, der bei I. K. Hofmann als Mitglied des Executive Committee und Prokurist tätig ist, über den Mehrwert der Personalvermittlung und erklärt, wie er das Thema am Markt und innerhalb des BAP stärker in den Vordergrund rücken will.

Herr Ostermann, lassen Sie uns zu Beginn für klare Verhältnisse sorgen: Was ist der Unterschied zwischen der Personalvermittlung und der als Zeitarbeit bekannten Arbeitnehmerüberlassung?
Der Unterschied liegt letztendlich im Vertragsverhältnis. Bei der Arbeitnehmerüberlassung hat der Zeitarbeitnehmer einen Arbeitsvertrag mit dem Personaldienstleister. Bei der Personalvermittlung schließt der Arbeitnehmer den Vertrag direkt mit dem zukünftigen Arbeitgeber ab.

Was ist für Personaldienstleister lukrativer – Arbeitnehmerüberlassung oder Personalvermittlung?
Für den Personaldienstleister ist es lukrativ, seinen Kunden zufriedenzustellen. Und dafür muss er dessen Problem lösen: Der Kunde braucht Personal. Entweder sucht er jemanden, den er selbst einstellen und zu seinen Vertragsbedingungen länger an sich binden möchte – dann ist die Personalvermittlung das Mittel der Wahl. Wenn der Kunde kein Budget für eine Festeinstellung hat oder sehr kurzfristig Personal braucht, spricht das eher für die Arbeitnehmerüberlassung. Im Endeffekt muss der Personaldienstleister flexibel auf den Kundenwunsch reagieren können, deswegen sind beide Bereiche, die Arbeitnehmerüberlassung und die Personalvermittlung, sehr wichtig und sollten Bestandteil des Dienstleistungsportfolios eines modernen Personaldienstleisters sein.

Und als Vorsitzender des Verbandsbereichs Personalvermittlung im BAP wollen Sie sich dafür einsetzen, dass die Personalvermittlung künftig noch mehr als dieser wichtige Bestandteil wahrgenommen wird?
Richtig. Ich möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die Personaldienstleistung mehr als ‚nur‘ Zeitarbeit ist. Mein Ziel ist es, das Thema Personalvermittlung in der Struktur des BAP als Mehrwert für bestehende und künftige Mitglieder voranzutreiben. Das bedeutet auch, in Zusammenarbeit mit der BAP-Akademie Schulungen rund um die Personalvermittlung anzubieten und generell am Markt über das Thema aufzuklären.

Worin besteht denn der Mehrwert der Personalvermittlung?
Ich will Ihnen gerne ein konkretes Beispiel nennen. Nach dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz können Nicht-EU-Bürger in den deutschen Arbeitsmarkt vermittelt, aber nicht überlassen werden.

In Zeiten des Fachkräftemangels profitieren gerade Mittelständler, die nicht das Netzwerk oder die Kanäle haben, um Arbeitsplätze im Nicht-EU-Ausland anzubieten, sehr von einem Personaldienstleister mit Erfahrung in der Auslandsrekrutierung, der hier eine Vermittlungsrolle einnehmen kann.

Was zeichnet einen guten Personalvermittler aus?
Post and Pray, sprich: Stellenanzeigen zu schalten und dann zu beten, dass sich der richtige Bewerber schon melden werde, funktioniert heute in den meisten Fällen nicht mehr. Ein guter Personalvermittler muss daher das gesamte Spektrum der Rekrutierungstechniken beherrschen – neben der klassischen Stellenanzeige zählen dazu die bekannten Jobbörsen und diverse digitale Tools zur Direktansprache. Welcher Kanal der geeignete ist, wird dann in erster Linie durch die zu besetzende Position bestimmt.
 

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Studierter Kommunikationswissenschaftler (M.A.) und PR-Referent (FJS). Mehrjährige Agenturerfahrung, bei Kontext public relations und im arbeitsblog für die Kreation von Content zuständig.

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1 Kommentare
  • Alexandra Kohls
    Alexandra Kohls
    2 days ago
    Wäre sehr interessant für mich! Vielen Dank

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