Mit Factoring vom Start-up zum erfolgreichen Personaldienstleister

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Frauen im Meeting machen sich Notizen
  • Mit dem eigenen Unternehmen in der Personaldienstleistung durchstarten – für viele eine attraktive Vorstellung. Essenziell für den Erfolg ist allerdings eine ausreichende Liquidität.
  • Für viele Start-ups stellt die Finanzierung gerade am Anfang eine Hürde dar. Welche Alternativen gibt es zur Aufnahme eines Kredits?
  • Finanzielle Unabhängigkeit, Sicherheit und geringer administrativer Aufwand: Wolfgang Roell, Leiter Marketing und Vertrieb bei der EKF Finanz Frankfurt GmbH, geht auf die Vorteile von Factoring für neu gegründete Unternehmen ein.

Unternehmens-Neugründungen gibt es viele. Vor allem in der Zeitarbeitsbranche ist es vergleichsweise einfach, ein neues Unternehmen ohne großen Kapitaleinsatz zu gründen. Der erste Impuls kann dabei spontan kommen – etwa im Gespräch mit einem Kollegen oder einer Kollegin. Oft ist die Unzufriedenheit mit der Geschäftspolitik oder der Umgang mit den internen und externen Mitarbeitern ein Grund für die Entscheidung, mit einem eigenen Unternehmen die Sache besser zu machen.

Als Disponent kennt man die Branche und hat bereits ein Netzwerk aus potenziellen Mitarbeitern und Kunden aufgebaut. Und das sind schließlich die wichtigsten Faktoren in einem Zeitarbeitsunternehmen. Mit diesem „Geschäftskapital“ starten die Gründer. Denn außer einem Notebook, der entsprechenden Software, einem Telefon und einer gewissen Mobilität wird nicht viel mehr benötigt, um das Vorhaben anzugehen – und das lässt sich alles mit kleinem Geld finanzieren. Sicher, auch die Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis (ANÜ) wird benötigt. Hier stellt sich dann die Frage, wie schnell will ich loslegen? Denn danach richtet sich die Entscheidung, eine Vorratsgesellschaft (nach Möglichkeit inklusive einer ANÜ) zu kaufen oder neu zu gründen und die ANÜ zu beantragen. Die Genehmigung dauert erfahrungsgemäß zwischen sechs Wochen und drei Monaten.

Wie sichern neu gegründete Unternehmen dauerhaft ihre Liquidität?

Aber wie sieht es mit dem Working Capital aus? Die richtigen Mitarbeiter für die Kunden zu finden, ist eine Sache. Doch das Ganze will auch finanziert sein. Wenn die Kunden bei wöchentlicher Faktura nach 14 Tagen zahlen, kann das gutgehen, ist aber ein Ritt auf der Rasierklinge. Viele Unternehmen fordern mittlerweile Zahlungsziele von 30, 45, 60 oder sogar 90 Tagen, je nach Größe und Marktmacht des Kunden. Und obendrein gerne auch eine monatliche Faktura, damit sich der Verwaltungsaufwand in Grenzen hält und sie so maximal einmal pro Monat zahlen müssen. Aber woher kommt dann die benötigte Liquidität, um die Löhne der Mitarbeiter, die Sozialkassen und das Finanzamt zu bezahlen?

Von der Hausbank? Bei einer Neugründung ohne „harte Sicherheiten“ eher unwahrscheinlich. Und selbst wenn hier über Neugründungskredite, KfW-Darlehen etc. etwas möglich sein sollte – wie lange reicht das aus? Außerdem handelt es sich hierbei um starre Linien. Was ist, wenn das Unternehmen wächst? Und das ist schließlich erstens gewünscht und zweitens Sinn und Zweck eines eigens gegründeten Unternehmens. Eine Finanzierung, die mitwächst, wäre hier wünschenswert.

Wolfgang Roell zeigt einen der Hauptvorteile von Factoring für neu gegründete Unternehmen auf:
Mit Factoring macht sich das Start-up frei von der Länge des Zahlungsziels und vom Zahlungsverhalten seiner Kunden und kann so die Mitarbeiter, Sozialkassen und das Finanzamt fristgemäß bezahlen.

Forderungen verkaufen, statt Kredite aufzunehmen

Factoring ist so eine Finanzierungsalternative. Dabei verkauft der Personaldienstleister seine offenen Forderungen an ein Factoring-Unternehmen. Die Forderungen dienen als Sicherheit und werden in der Regel mit 90 Prozent bevorschusst. Somit verfügt das Start-up in der Regel innerhalb von 48 Stunden über die benötigte Liquidität. Das ist deshalb wichtig, weil Kunden spätestens bei steigenden Umsätzen gern nach längeren Zahlungszielen fragen. Und hier hat derjenige Personaldienstleister den entscheidenden Wettbewerbsvorteil, der flexibel auf diese Wünsche eingehen kann, ohne sich in einen Liquiditätsengpass zu manövrieren. Mit Factoring macht sich das Start-up also frei von der Länge des Zahlungsziels und vom Zahlungsverhalten seiner Kunden und kann so die Mitarbeiter, Sozialkassen und das Finanzamt fristgemäß bezahlen.

Weitere Vorteile des Factorings im Überblick

Jedoch bietet Factoring deutlich mehr als nur die reine Liquidität – z. B. auch Sicherheit. Da für den Ankauf der Forderungen die Absicherung des Debitors eine Voraussetzung darstellt, kann das neue Unternehmen seine Mitarbeiter zu den Kunden entsenden, die über das entsprechende Limit des Factors verfügen. Man muss sich also keine weiteren Gedanken mehr über die Bonität des eigenen Kunden machen, da diese durch den Factor geprüft wurde und für die Zukunft dauerhaft überwacht wird.

Aber das ist noch nicht alles: Neben der Absicherung und der Bevorschussung der Forderungen übernimmt der Factor auch den Service, also die Debitorenbuchhaltung sowie das Mahn- und Inkassowesen. Dies ist für viele Start-ups ein zusätzliches Kriterium, Factoring zu nutzen. Die Gesellschaft reduziert den internen administrativen Aufwand und kann sich voll und ganz auf das Kerngeschäft und die Wachstumsstrategie konzentrieren. Und das ist gerade zu Beginn einer Geschäftstätigkeit essenziell.

Welche Kosten fallen beim Factoring an?

Natürlich gibt es das alles nicht umsonst – aber die Kosten sind überschaubar: Die Factoring-Gebühr für den Delkredere-Schutz und die Übernahme des kompletten Debitorenmanagements liegt (je nach Umsatzgröße, Anzahl der Debitoren und Rechnungen pro Jahr) zwischen 0,5 und 2 Prozent des jeweiligen Bruttorechnungsbetrags. Für die Prüfung und dauerhafte Überwachung der Debitoren sind einmal pro Jahr Prüfgebühren je nach gewünschter Limithöhe zu entrichten. Für die Bevorschussung der Forderungen erhält der Factor Zinsen, die meist deutlich unterhalb der Kontokorrentzinsen liegen.

Zudem gibt es Kostenpositionen, die man gegenrechnen kann: Die Zinsen, die eine Hausbank zur Finanzierung verlangen würde, sind meist um ein Vielfaches höher und entfallen. Die Kosten für eine Warenkreditversicherung (gegen den Ausfall eines Debitors) kann man sich sparen, da der Factor das komplette Ausfallrisiko zu 100 Prozent übernimmt. Auch andere administrative Kosten können wegen der Übernahme der Debitorenbuchhaltung sowie des Mahn- und Inkassowesens durch den Factor reduziert werden.

Fazit

Am Ende ist da zudem noch das gute Gefühl, über ausreichende Liquidität zu verfügen, um die Löhne, die Sozialabgaben, das Finanzamt etc. pünktlich bezahlen zu können. Meist ist es eine Mischung aller Positionen, die eine Zusammenarbeit für das Start-up interessant macht.

Natürlich sind die Vorteile, die Factoring bietet, auch bei schon länger bestehenden Unternehmen aus der Zeitarbeitsbranche eine Finanzierungsalternative, die gerne genutzt wird. Aber gerade zu Beginn der Unternehmenstätigkeit kann Factoring der Baustein sein, um das Unternehmen nachhaltig zu stabilisieren und am Markt erfolgreich zu sein.

 

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Wolfgang Roell

Seit 2011 gehört Wolfgang Roell zum Team der EKF Finanz Frankfurt GmbH und leitet den Bereich Marketing und Vertrieb. Das 1927 gegründete Unternehmen, führendes Mitglied im Bundesverband Factoring für den Mittelstand, bietet unterschiedliche, auf den Kunden zugeschnittene Leistungen an – von Part-Service-, Auswahl- und Inhouse-Factoring bis hin zum Full-Service-Factoring, unter anderem speziell für die Personaldienstleistung.

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