14.07.2026

Industry Pulse 2026: Personaldienstleistung am Wendepunkt

  • Bereits zum fünften Mal veröffentlicht zvoove den Industry Pulse, die Branchenstudie zur Personaldienstleistung. Auch dieses Jahr erscheint die Publikation in Kooperation mit dem Gesamtverband der Personaldienstleister (GVP).
  • Die Branche steht 2026 an einem Wendepunkt und muss strategische Entscheidungen für ihre Zukunft treffen.
  • Eine zentrale Erkenntnis: Umsatzrückgänge prägen viele Entscheidungen – jetzt kommt es auf entschlossene Gegenmaßnahmen und neue Wege an.

Die Personaldienstleistungsbranche steht 2026 unter spürbarem Druck. Wirtschaftliche Unsicherheit, Rezessionsrisiken, zunehmender Wettbewerb und steigender Preisdruck prägen den Markt. Viele Unternehmen müssen sich deshalb die Frage stellen: Warten sie ab und halten am Bewährten fest oder nutzen sie die aktuelle Lage, um Vertrieb, Prozesse und Geschäftsmodelle gezielt weiterzuentwickeln?

Der Industry Pulse 2026 von zvoove und dem Gesamtverband der Personaldienstleister (GVP) zeigt: Viele Personaldienstleister haben sich bereits entschieden. Sie reagieren auf die angespannte Marktlage nicht mit Rückzug, sondern mit verstärkten Vertriebsaktivität, Investitionen in die Digitalisierung und dem Blick auf neue Geschäftsfelder. Die zentrale Frage lautet damit nicht mehr, ob Veränderung nötig ist – sondern wie konsequent sie jetzt umgesetzt wird.

Schrumpfender Markt wird zum Veränderungstreiber

Fast jedes zweite befragte Unternehmen berichtet von Umsatzrückgängen und steigendem Druck: 77 Prozent der Unternehmen sehen wirtschaftliche Unsicherheit und Rezessionsrisiken als eine der größten Herausforderungen für 2026. Im Vorjahr waren es noch 64 Prozent. Auch Wettbewerb und Preisdruck gewinnen deutlich an Bedeutung: 60 Prozent nennen diese Faktoren als zentrale Herausforderung, gegenüber 50 Prozent im Vorjahr. 

Nennenswert ist jedoch vor allem die Reaktion darauf. Denn die Branche wartet nicht ab. Viele Personaldienstleister arbeiten aktiv daran, ihre Marktposition zu sichern – mit mehr Vertrieb, stärkerer Digitalisierung und neuen Geschäftsfeldern.

Vertrieb wird strukturierter – bleibt persönlich

Ein besonders starker Hebel ist der Vertrieb. Dementsprechend haben fast zwei Drittel der Unternehmen ihre Vertriebsaktivitäten in den vergangenen zwölf Monaten intensiviert. 70 Prozent wollen das auch in den kommenden 12 bis 18 Monaten tun. Zudem stellen sich viele Unternehmen professioneller auf, immer mehr nutzen ein CRM-System oder arbeiten mit einer Sales Pipeline. 

Das bedeutet jedoch nicht, dass Vertrieb in der Personaldienstleistung unpersönlicher wird. Vielmehr schafft Struktur Raum für das, was im Vertrieb entscheidend bleibt: Beziehung, Vertrauen und direkter Austausch. Das zeigt sich auch bei den genutzten Kommunikationskanälen. Telefon, E-Mail und persönliche Gespräche vor Ort bleiben zentral. Der Vertrieb der Zukunft wird also nicht weniger persönlich, sondern schlicht besser organisiert.

Automatisierung fehlt konsequente Umsetzung

Während der Vertrieb vielerorts strukturierter wird, zeigt sich bei der Automatisierung eine deutliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Prozessautomatisierung gilt als wichtiger Erfolgsfaktor. 52 Prozent der Befragten stufen sie als geschäftskritisch für den zukünftigen Unternehmenserfolg ein. In der praktischen Umsetzung stehen viele Unternehmen jedoch noch am Anfang. Nur neun Prozent verfügen über eine vollständig dokumentierte Digitalisierungs- oder Automatisierungsstrategie mit klarer Roadmap. 43 Prozent haben bisher lediglich einzelne Prozesse automatisiert. Eine durchgängige Prozessautomatisierung mit gezielter KI-Unterstützung erreichen aktuell gerade einmal vier Prozent der Unternehmen. 

Damit wird deutlich: Automatisierung ist zwar in der Branche angekommen. Im Arbeitsalltag ist sie aber noch nicht überall konsequent verankert. 

KI braucht integrierte Prozesse

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Einsatz Künstlicher Intelligenz. 37 Prozent der Befragten gaben an, erste KI-Anwendungen in ausgewählten Bereichen zu testen oder einzelne KI-Tools produktiv zu nutzen. Doch KI entfaltet ihren Nutzen nicht isoliert. Wenn mehrere Systeme nebeneinander arbeiten, Daten mehrfach gepflegt werden und Prozesse nicht sauber ineinandergreifen, bleibt auch KI häufig nur ein zusätzliches Tool. Entscheidend ist deshalb nicht allein, ob KI eingesetzt wird, sondern ob sie nahtlos in bestehende Abläufe eingebunden ist.

Nur Lösungen, die zusammenarbeiten, bringen die Effizienz und Entlastung im Alltag, die sich viele von Digitalisierung und KI versprechen. 

– Markus Budde

„Der entscheidende Hebel liegt jetzt im besseren Zusammenspiel: Nur Lösungen, die zusammenarbeiten, bringen die Effizienz und Entlastung im Alltag, die sich viele von Digitalisierung und KI versprechen“, so Markus Budde CEO Staffing DACH bei zvoove. 32 Prozent der Befragten nennen die Integration bestehender Systeme als einen der wichtigsten Digitalisierungstrends. Damit entwickelt sich Integration vom technischen Detail zur unternehmerischen Notwendigkeit.

Ausblick: Auf das Zusammenspiel kommt es an

Einzelne Tools reichen nicht aus, wenn Systeme nicht miteinander verbunden sind. Automatisierung bleibt begrenzt, wenn Prozesse nicht klar definiert sind. Und KI wird nur dann wirksam, wenn sie auf verlässliche Daten und integrierte Abläufe zugreifen kann.

Für Personaldienstleister bedeutet das: Technologie muss den Arbeitsalltag spürbar entlasten. Informationen sollten dort verfügbar sein, wo sie gebraucht werden. Neue Prozesse sollten nicht zusätzliche Arbeit erzeugen, sondern operative Last reduzieren. Denn am Ende geht es nicht darum, mehr Software einzuführen. Es geht darum, den Mitarbeitenden den Rücken zu stärken.

Der Industry Pulse 2026 zeigt: Die Branche steht unter Druck. Aber sie steht nicht still. Unternehmen wollen Prozesse klären, Systeme verbinden und Beziehungen konsequent stärken. So schaffen sie die Grundlage, um auch in einem anspruchsvollen Markt handlungsfähig zu bleiben.


Über die Studie

Der zvoove-GVP Industry Pulse 2026 ist eine Branchenstudie zur Personaldienstleistung in Deutschland. Sie wurde von zvoove in Zusammenarbeit mit dem Gesamtverband der Personaldienstleister (GVP) umgesetzt. Bereits zum fünften Mal insgesamt und zum zweiten Mal in dieser Kooperation wurde die Studie vom unabhängigen Marktforschungsinstitut Arlington Research begleitet.

Befragt wurden 397 Entscheidungstragende und Mitverantwortliche aus Unternehmen der Personaldienstleistung sowie 200 Zeitarbeitnehmende. Die Studie verbindet damit die Unternehmensperspektive mit der Sicht externer Mitarbeitender – und zeigt, welche Themen die Branche aktuell bewegen.

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