Von Daten, Robotern und Realität: So digitalisiert die Fürst Gruppe
- Anhand konkreter Projekte wie der digitalen Zeiterfassung zeigt Markus Zwingel, wie Digitalisierung bei Fürst messbaren Mehrwert für tausende Mitarbeitende ohne Büroarbeitsplatz geschaffen hat.
- Erfolgreicher digitaler Wandel gelingt laut Zwingel nur, wenn Veränderung aktiv begleitet wird – durch transparente Kommunikation und klare Zuständigkeiten.
- Die Fürst Gruppe investiert gezielt in Datenqualität, um KI sinnvoll einsetzen zu können
- Für die kommenden Jahre sieht Zwingel Künstliche Intelligenz, Robotik und IT-Sicherheit als zentrale Treiber der Branche – und fordert einen realistischen Umgang mit Chancen und Risiken.
arbeitsblog: Wo steht die Moritz Fürst GmbH im Digitalisierungsprozess heute? Welche Bereiche sind bereits gut aufgestellt, und wo haben Sie noch Baustellen, die Sie angehen wollen? Und wie ist der Stand bei Fürst Personal?
Markus Zwingel: Wir sind digital sehr gut aufgestellt, ohne dem Anspruch zu folgen, jede Entwicklung als Erste umzusetzen. Unser Ziel ist es, neue Technologien schnell, stabil und sinnvoll in den laufenden Betrieb zu integrieren.
Unsere Struktur bringt dabei einen bewussten Trade-off mit sich: Digitale Lösungen werden so entwickelt, dass sie in mehreren Geschäftsfeldern funktionieren. Das verhindert Insellösungen und schafft Skalierbarkeit – auch wenn es für einzelne Bereiche punktuell spezialisiertere Tools geben würde.
Die technische Basis dafür ist seit Jahren gelegt: eine moderne IT-Landschaft und eine durchgängig zeitgemäße Ausstattung in der gesamten Gruppe.
arbeitsblog: Gibt es ein Digitalprojekt, das besonders messbare Wirkung gezeigt hat?
Markus Zwingel: Ganz klar: die digitale Zeiterfassung. Rund 3.800 Mitarbeitende arbeiten bei Kunden und haben keinen klassischen IT-Arbeitsplatz. Früher lief alles über Papier – mit enormem Aufwand. Heute erfassen Mitarbeitende ihre Arbeitszeiten direkt per App beim Kunden. Das spart manuelle Arbeitsschritte, beschleunigt die Abrechnung und sorgt für mehr Klarheit auf allen Seiten. Wir hatten anfangs Bedenken, ob private Smartphones akzeptiert werden. Die Realität: Es funktioniert hervorragend. Seit einem Jahr ist das System vollständig ausgerollt.
arbeitsblog: Viele Digitalinitiativen scheitern am Change. Was machen Sie anders?
Markus Zwingel: Entscheidend ist konsequente Kommunikation – frühzeitig, kontinuierlich und über verschiedene Kanäle. Digitale Tools helfen uns, Mitarbeitende flächendeckend zu erreichen, ersetzen aber nicht den persönlichen Austausch.
Deshalb informieren wir über Apps und interne Plattformen wie Viva Engage, sind bei größeren Veränderungen aber auch bewusst vor Ort. Ich nehme mir Zeit, erkläre Hintergründe und spreche offen über Sorgen und Widerstände – egal ob es um eine ERP-Umstellung oder den Einsatz von KI geht.
Zusätzlich haben wir eine eigene Organisationsentwicklung etabliert. Sie sorgt dafür, dass Veränderungen strukturiert begleitet werden. Denn Wandel, der nicht erklärt und moderiert wird, stößt auf Ablehnung.
Entscheidend ist konsequente Kommunikation – frühzeitig, kontinuierlich und über verschiedene Kanäle. Digitale Tools helfen uns, Mitarbeitende flächendeckend zu erreichen, ersetzen aber nicht den persönlichen Austausch.
arbeitsblog: Wie nutzen Sie Daten strategisch?
Markus Zwingel: Eine externe, studentische Analyse hat uns einen sehr ehrlichen Blick auf den Status quo ermöglicht. Das Ergebnis war eindeutig: Wir verfügten über große Datenmengen aus unterschiedlichen Systemen, doch deren Qualität war uneinheitlich – und ihr strategischer Nutzen entsprechend gering.
Daraufhin haben wir die Grundlagen neu aufgesetzt. Prozesse wurden vereinheitlicht, Verantwortlichkeiten klar definiert und Mitarbeitende gezielt befähigt, mit Daten korrekt zu arbeiten. Das Ziel war eindeutig: verlässliche, konsistente Daten über alle relevanten Systeme hinweg. Dieses Fundament steht heute.
Damit beginnt die eigentliche Wertschöpfung. Auf Basis sauberer Daten lassen sich operative Abläufe gezielt verbessern – etwa durch eine optimierte Routenplanung im Außendienst, realistischere Prognosen beim Personalbedarf oder schnellere und fundiertere Auswertungen von Finanzkennzahlen. Künstliche Intelligenz wirkt dabei als Beschleuniger, weil sie Zusammenhänge sichtbar macht, die bislang nur mit hohem manuellem Aufwand erkennbar waren.
arbeitsblog: Welche Technologien werden die Branche in den nächsten Jahren prägen?
Markus Zwingel: Für die kommenden drei bis fünf Jahre sehe ich drei technologische Entwicklungen, die die Personaldienstleistungsbranche nachhaltig prägen werden.
Erstens Künstliche Intelligenz: Wir stehen noch am Anfang, aber KI wird massiv Einfluss nehmen – etwa durch intelligente Agenten, automatisierte Prozesse oder bessere Datenanalysen. Sie kann Routineaufgaben übernehmen, Entscheidungsprozesse beschleunigen und die Effizienz deutlich steigern. Der Schlüssel liegt dabei in der verantwortungsvollen Nutzung und in der Verbindung von Technologie mit menschlicher Expertise.
Zweitens Robotik: Der Mangel an Arbeitskräften in vielen Segmenten wird sich nicht allein über Rekrutierung lösen lassen. Roboter und automatisierte Systeme werden helfen, Dienstleistungen zu erbringen oder Mitarbeitende von repetitiven Aufgaben zu entlasten. Technologie und Prozessoptimierung werden so den tatsächlichen Personalbedarf ausgleichen und die Leistungsfähigkeit sichern.
Drittens IT-Sicherheit: Je digitaler und vernetzter Unternehmen werden, desto größer wird die Verwundbarkeit. Cyberangriffe sind keine Frage des Ob, sondern des Wann. IT-Sicherheit wird damit zur zentralen Voraussetzung für jede digitale Initiative – von KI-Anwendungen bis zu Cloud-gestützten Prozessen. Unternehmen müssen präventiv handeln, Notfallpläne entwickeln und Sicherheitsstandards kontinuierlich anpassen.
arbeitsblog: Und zum Abschluss: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – welche digitale Fähigkeit sollte jeder moderne Personaldienstleister in Zukunft unbedingt beherrschen?
Markus Zwingel: Ich wünsche mir, dass wir neue Technologie souverän nutzen – ohne die Menschlichkeit zu verlieren.
Wir arbeiten mit Menschen, werteorientiert und nah. Digitalisierung darf das unterstützen, aber niemals ersetzen. Diese Balance zu halten, ist die eigentliche Kernkompetenz.
arbeitsblog: Vielen Dank für das nette Gespräch!