„Die Corona-Krise wird die Digitalisierung in Lichtgeschwindigkeit vorantreiben“

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  • Marco Kainhuber (GermanPersonnel) erklärt im Interview, wie sein Unternehmen mit der Corona-Krise umgeht. Um die intensive digitale Zusammenarbeit auf unbestimmte Zeit aufrecht halten zu können, werden die Mitarbeiter unter anderem mit Online-Freizeit-Angeboten unterstützt
  • Im Zeitarbeitsmarkt beobachtet der Recruiting-Experte gegensätzliche Effekte der Corona-Pandemie: Während manche Branchen Kurzarbeit ausrufen, können andere die hohe Nachfrage kaum bedienen. Um das Ungleichgewicht auszugleichen, hat GermanPersonnel kurzerhand die digitale Placement-Plattform GEPEX ins Leben gerufen
  • Kontaktloses Recruiting hält Kainhuber im Zeitalter von digitalen Stellenassistenten, Video-Interviews und virtuellem Onboarding für problemlos möglich. Generell ist er sich sicher: „Die Corona-Krise wird die Digitalisierung in Lichtgeschwindigkeit vorantreiben. Die Branche tut gut daran, sich jetzt auf diese Transformation vorzubereiten. Ein ‚Weiter so wie vor der Krise‘ wird es nicht mehr geben!“

Im Interview spricht Marco Kainhuber, der geschäftsführende Gesellschafter von GermanPersonnel, über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsalltag, die neue digitale Placement-Plattform GEPEX, kontaktloses Recruiting – und über die Lehren, die Personaldienstleister aus der Krise ziehen können.


arbeitsblog: Herr Kainhuber, wie gehen Unternehmen wie GermanPersonnel und Compana mit der Corona-Krise um? Wie hat sich der Arbeitsalltag durch Social Distancing und Co. verändert?
Die Pandemie hält die Welt in Atem. Deutschland fährt derzeit fast komplett runter. Jede Branche ist wirtschaftlich betroffen. So dramatisch Krisen auch sein mögen, in ihnen liegt auch die Chance, die Unternehmensstrategie, Produkte und Prozesse anzuschauen und zu optimieren! Wir von GermanPersonnel und Compana sind seit zwei Wochen mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Homeoffice. Die Zusammenarbeit und Meetings finden allesamt online statt. Die Produktivität und das Engagement unserer Mitarbeiter sind enorm hoch. Um jedoch diese intensive Art des ‚Zusammen‘-Arbeitens auf unbestimmte Zeit aufrecht halten zu können, unterstützen wir sie mit einem speziellen Kommunikationskonzept und Online-Freizeit-Angeboten wie Yoga, Feierabendtalk, gemeinsames Musizieren, Bürogymnastik etc. Ganz nach dem Motto: gesund bleiben, auch geistig und seelisch! Darüber hinaus haben wir sofort ein Krisen-Komitee installiert, das täglich die Situation beurteilt und einen kontinuierlichen Betriebsablauf für unsere Mitarbeiter und Kunden gewährleistet. So können wir in der Krise nicht nur der altbewährte Partner sein, sondern unsere Kunden aktiv mit neuen Lösungen und Dienstleistungen unterstützen.

In der Zeitarbeit stellt sich die Auftragslage aktuell je nach Branche vollkommen unterschiedlich dar. Während in Bereichen wie Messe oder Events nichts geht, suchen Dienstleister aus den Bereichen Pflege, Medizin oder Lebensmitteleinzelhandel händeringend nach neuem Personal. Wie können Sie Personaldienstleistern dabei helfen, sich auftuende Chancen zu nutzen?
Aktuell beobachten wir sehr unterschiedliche und zum Teil sogar gegensätzliche Effekte der Corona-Pandemie auf dem Arbeits-, Recruiting- und damit auch Zeitarbeitsmarkt. Während unter anderem in der Automobilbranche sowie der Gastronomie Kurzarbeit ausgerufen wird, können wir die Anfragen aus dem Lebensmittelhandel, aus Teilbereichen der Logistik und dem Gesundheitswesen kaum bedienen. Auf Nachfrage zahlreicher Kunden, wie es möglich ist, dieses Ungleichgewicht auszugleichen, haben wir beschlossen, die Plattform GEPEX ins Leben zu rufen.

Was genau hat es mit der Plattform auf sich?
GEPEX ist eine digitale Placement-Plattform, die unsere Kunden dabei unterstützen soll, ihre freigestellten oder sich in Kurzarbeit befindenden Mitarbeiter in einem neuen Betrieb zu platzieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Mitarbeiter dauerhaft freigestellt werden sollen oder es sich um eine befristete Freistellung handelt. Mit Hilfe von GEPEX wollen wir Arbeitgebern die Möglichkeit bieten, ihre geschätzten Mitarbeiter wieder mit offenen Armen zu empfangen, sobald die Krise überwunden ist. Zusätzlich können wir so unseren Beitrag leisten, um den finanziellen Einfluss der Krise auf den einzelnen Mitarbeiter zu minimieren. Wir stehen mit diesem Projekt noch ganz am Anfang, möchten unsere Kunden aber schon in dieser sehr frühen Phase in die weitere Entwicklung und in den Ausbau mit einbeziehen. Dieser Gedanke war und ist bei diesem Projekt zentral.

Bei der Vermittlungsprovision haben Sie sich etwas Besonderes einfallen lassen. Können Sie das kurz umreißen?
Für gewöhnlich verursachen Outplacement-Dienstleistungen hohe Kosten – bei GEPEX drehen wir diese Logik um: Denn frei- oder ausstellende Unternehmen können sogar daran verdienen. Im Falle einer erfolgreichen Platzierung eines (ehemaligen) Mitarbeiters in einem anderen Betrieb erhalten diese Unternehmen einen Teil des Umsatzerlöses der Vermittlungsprovision.

Marco Kainhuber beschreibt das kontaktlose Recruiting:
Es ist von Bedeutung, geeignete Kandidaten zu erreichen und vorab zu qualifizieren. Screener-Questions im Chat helfen dabei. Ontologie und Matching-Algorithmen beschleunigen den Abgleich von Anforderung und Qualifikation und erhöhen die sogenannte Hire-Rate, also die Rate der Einstellungen.

Aktuell muss der komplette Recruiting-Prozess kontaktlos ablaufen. Wie sieht steriles Recruiting – von der Bewerbersuche bis zur Überlassung oder Vermittlung – in der Praxis konkret aus?
Ein digitaler Stellenassistent unterstützt in der Erstellung einer Stellenanzeige, die im Anschluss daran über sämtliche, relevanten Mediakanäle erfolgsabhängig vermarktet wird. Es geht nun nicht mehr um die reine Anzahl von Bewerbern, vielmehr um die Anzahl von Einstellungen! Daher ist es von Bedeutung, geeignete Kandidaten zu erreichen und vorab zu qualifizieren. Screener-Questions im Chat helfen dabei. Ontologie und Matching-Algorithmen beschleunigen den Abgleich von Anforderung und Qualifikation und erhöhen die sogenannte Hire-Rate, also die Rate der Einstellungen. Zeitversetzte Video-Interviews lassen eine kontaktlose Vorauswahl von Kandidaten zu. Via digitaler Kandidatenprofile können diese online vorgestellt werden und mittels einfachen Online-Assessments – auch für Menschen, die nicht lesen und schreiben könnten – auf den bevorstehenden Einsatz gecheckt werden. Ein digitales Onboarding und Vertragswesen regelt dann die Zusammenarbeit mit Arbeitnehmer und Entleiher. Somit wäre ein kontaktloser Prozess über den gesamten Prozess möglich!

Was können Personaldienstleister aus der Corona-Krise lernen – und für die Zeit danach mitnehmen?
Ich glaube, wir können alle aus dieser Krise etwas lernen. Wie ich eingangs schon sagte, so dramatisch Krisen auch sein mögen, in ihnen liegt auch die Chance, die Unternehmensstrategie und Produkte anzuschauen und zu optimieren. Dies gilt insbesondere für die Personaldienstleistungsbranche. Die Corona-Krise wird die Digitalisierung in Lichtgeschwindigkeit vorantreiben. Die Branche tut gut daran, sich jetzt auf diese Transformation vorzubereiten. Ein ‚Weiter so wie vor der Krise‘ wird es nicht mehr geben! Entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Zeitarbeit werden digitale Assistenten unterstützen. Wir sollten unser internes Personal gut darauf vorbereiten, nur so wird Digitalisierung erfolgreich und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben. Darüber hinaus hoffe ich, dass unsere Branchenverbände eine stärkere Rolle in der politischen und öffentlichen Diskussion spielen!


Einen Übersichtsartikel zu den Recruiting-Technologien von GermanPersonnel finden Sie hier.


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Studierter Kommunikationswissenschaftler (M.A.) und PR-Referent (FJS). Mehrjährige Agenturerfahrung, bei Kontext public relations und im arbeitsblog für die Kreation von Content zuständig.

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